Rückblicke: Mother Julian of Norwich – Gemeindenachmittag in Norwich am 22. April 2018

Outing to the Julian Church in Norwich

Some of you will remember the late Ursula Spliethof who was a loyal member of the Norwich congregation for many years.  She told me of her visits to the Julian Church but I myself had never been there.

That is until this year when on Sunday April 22nd I made my way to Norwich to join in the German Lutheran service. Others had come from Cambridge and Bury St. Edmunds and of course from Norwich itself.

Father Christopher welcomed us all warmly and we had the opportunity to see the tiny cell where mother Julian lived in seclusion from the outside world.

Heidi Gure-Klinke conducted our worship in which she quoted the well-known saying of mother Julian that “All shall be well.” She linked this to the themes in Paul Gerhardt’s hymns and the writing of Martin Luther himself. They were not expressing blind optimism but rather a deep trust in God. The organist was joined by Beate Becker on clarinet for a delightful duet at the close of the service (Andante, 3rd movement, from Sonate in E Moll BWV 1034 von Johann Sebastian Bach).

The staff at the nearby Julian Centre had very kindly opened up especially for our group to enjoy coffee and cakes.

Heather Pfeiffer then took us on a Sunday tour of the vicinity and shared her extensive knowledge of the many fine old buildings. George Pfeiffer was on hand with his camera to film the events of this inspiring and informative afternoon and thanks are due to all who made it possible.

Margaret Longstaff, Ipswich

Wer war Mother Julian?

Ihre uns überlieferte berühmteste Kostbarkeit ist wohl, dass wir nicht alles wissen können und wir manchmal leiden müssen, aber “all shall be well, and all shall be well, and all manner of things shall be well.”

Mother Julian lebte etwa von 1342 bis 1416, genaue Daten sind nicht bekannt. Während einer schweren Krankheit im Mai 1373 wurden ihr innerhalb von zwei Tagen beim Anblick eines Kruzifixes eine Reihe von 16 Visionen zuteil. In diesen war es ihr gegeben, direkt mit Jesus Christus zu kommunizieren und ihn auf seinem schweren Leidensweg zu begleiten. Durch ihr eigenes Leiden und den Anblick des Kruzifixes gelang sie in tiefer Meditation mit Gottes Hilfe zu einer engen Affinität mit Jesu Leidensweg.  Das Mittelalter hatte nicht die heutige Vielzahl der verschieden Medien und Dokumentationsfilme und  so war damals die Meditation ein Weg, bildliche Darstellungen und Einblicke zu erlangen.

Julian erkennt, dass diese Visionen ihr nicht nur zum persönlichen Vorteil erschienen waren, sondern dass sie für die ganze Christenheit von Bedeutung sind. Es wird vermutet, dass sie deshalb nach ihrer Genesung den Entschluss fasste, sich als ‘Anchoress’, Einsiedlerin, zurückzuziehen, um ihre Visionen zu  überarbeiten und zu entschlüsseln. Diese riesige Entscheidung bedeutete, von nun an hinter verschlossenem Riegel zu leben, in einer an eine Kirche angebauten Zelle. Für die Verschlossene wurde dann eine Totenmesse gefeiert, sie galt also von nun an für ihre Außenwelt metaphorisch als Verstorbene. Praktisch gesehen jedoch stand ihr zur täglichen Verpflegung und Versorgung eine Magd zur Verfügung, und eine Katze zum Mäusefangen durfte ihre Zelle teilen. Auch war es ihr erlaubt, durch ein vergittertes Fenster ihrer Zelle Kontakt mit der Bevölkerung zu haben – zu zu hören und Rat zu geben. Dieser Verbindung zur Außenwelt verdanken wir, dass Julians Aufzeichnungen durch eine andere Visionärin der Zeit, Margery Kempe, die Julian in 1413 um Rat bat, heute übermittelt sind.

Nach Julians eigenen Angaben war sie ‘unlettered’, Analphabetin, aber es wird vermutet, dass sie als Kind einige Grundregeln des Schreibens in dem nahe gelegenen Kloster Carrow lernte und später sich selbst fortbilden konnte. Die Auslegungen ihrer Visionen zeigen ihre Bibelkenntnis, die wohl auch durch die täglichen Messen und Gottesdienste gefestigt wurde, denen sie durch eine kleine Öffnung ihrer Zelle zum Kirchenraum Zeuge sein durfte.

In den Jahren als Anchoress entwickelte Julian die Auslegungen ihrer Visionen, die uns heute in zwei Schriften überliefert sind, einem kurzen und einem später aufgesetzten längeren Text. Einige Passagen daraus (Nach dem Buch ‘Julian of Norwich’ Revelations of Divine Love, a new translation by Barry Windeatt, Oxford World Classics 2015. Oxford University Press):

  • Auf ihrem Krankenlager liegend sieht Julian beim Anblick des Kruzifixes Blut aus der Dornenkrone Christi hervorquellen. Sie sieht das Blut durch Hölle, Erde und Himmelszelt fließen und erkennt, dass so wie das Wasser unsere Körper reinigt, dieses Blut Christi alle Sünden auf Erden reinigt und den Teufel besiegt.
  • Christus bezeugt Julian die Bereitschaft seiner Leiden, und wenn größeres Leiden möglich gewesen wäre, er es gerne hätte geschehen lassen. Er führt ihre Erkenntnis durch seine Wunde zu seinem zerissenen Herzen.
  • Auch zeigt Jesu ihr auf ihre Bitte hin seine Mutter Maria, die jetzt erhöht ist. Der erhöhte Jesus selbst spricht Worte, die sich ihrem Verständnis entziehen.
  • Gott dankt Julian für den Dienst, den sie ihm durch ihr eigenes Leiden erweist, und dass er ihr somit seine Offenbarung zuteil werden lassen kann. Sie sieht, wie Gott im Himmelreich herrscht.
  • Jesus gibt Julian zu verstehen, dass Sünde unumgänglich ist und sogar ein Gebot erfüllt. Aber alles wird gut, und Gott sieht unsere Sühne und Buße mit viel größerer Freude und Zufriedenheit an, als dass der Sündenfall je nachteilig oder verderblich war. In einer Zeit, als Beschuldigung der Ketzerei lebensgefährlich sein kann, ist diese Erklärung Julians in Bezug auf Sünde ausgesprochen kühn und mutig.
  • Gott zeigt Julian, dass er selbst die Grundlage und Inspiration des Gebetes ist für das, was er selbst uns gönnt.
  • Gott verspricht Julian, dass ihr Leiden ihr genommen wird und sie ihren rechten Platz neben ihm im Himmel haben wird.
  • Gott zeigt Julian Jesus in ihrer Seele sitzend und versichert ihr die Wahrheit seiner Offenbarung.
  • Sie sieht eine kleine Haselnuss, die ihr zum Gleichnis wird, wie alles, was ist, durch Gottes Liebe geschaffen und vor dem Verfall ins Nichts bewahrt wird.
  • Sie sieht Jesus in seiner Majestät in der menschlichen Seele sitzen. Dies ist eine Widerspiegelung ihrer ersten Vision, in der wir wiederum eingebettet sind in Jesus. Die Substanz unserer Seele ist in Gott, ohne dass sie identisch mit ihm ist.
  • Der Anfang aller Schöpfung ist Gottes Liebe. Julian sieht Gott als Vater, Mutter, Partner, Bruder, Schwester und Retter – und sie sieht auch Jesus als unsere „Mutter“ (nach Matthäus 23, 37 – Henne und Küken).

Ich hoffe, dass diese kurze Zusammenfassung etwas inspiriert und zu weiterem Lesen anregt.

Gaby Corfe, Bury St. Edmunds