Angedacht

Gott hat alles schön gemacht zu seiner Zeit, auch hat er die Ewigkeit in der Menschen Herz gelegt, nur dass der Mensch nicht ergründen kann das Werk, das Gott tut, weder Anfang noch Ende.

Prediger 3,11 (Monatsspruch für September 2018).

Liebe Leserinnen und Leser,

das schönste Souvenir aus dem Sommerurlaub trage ich in mir. Wenn meine Gedanken aus dem Alltag abschweifen, entsteht vor meinem inneren  Auge eine Landschaft: knallblauer Himmel, riesige Berge, grüne Wiesen, tiefe Schluchten, kristallklares Wasser im Sonnenlicht. Und nachts ein so klares, tiefes und weites Firmament mit dem Licht des Mondes, dem roten Leuchten des Mars und unzähligen Sternen… . Ich staune, auch noch in der Erinnerung.

“Herr, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet und die Erde ist voll deiner Güter” (Psalm 104,24)

Wie herrlich, wie unglaublich schön kann die Welt sein! Wie gern würde ich das wirklich fassen können – die Schönheit und das Leben und Gott, den Schöpfer des Himmels und der Erden… . In solchen Momenten wird in mir eine Sehnsucht wach und auch ein Schmerz: ein Suchen über die Vergänglichkeit und die Zerbrechlichkeit unseres Lebens hinaus – nach Heilsein, nach Lebendigkeit, nach Liebe und Fülle. Nach Einssein, jenseits aller Gebrochenheit in der Welt und in mir selbst.

Gott hat uns die Ewigkeit ins Herz gelegt, sagt der Prediger. Dieses Sehnen über alles Zeitliche, über alles Sichtbare und Vergängliche hinaus, das macht uns als Menschen aus. Die Schönheit erinnert uns auch an unsere Begrenztheit. Wir möchten so gern darüber hinaus: verstehen und erforschen, was das Ganze ist. Wir wollen wissen, woher alles kommt und wohin alles geht.  So sind wir Menschen: immer suchend, immer unterwegs.

Gott aber bleibt für uns unergründlich. “Wie schwer sind für mich, Gott, deine Gedanken! Wie ist ihre Summe so gross!“ (Psalm 139,17). Unergründlich sind auch wir selbst. Wir leben in der unruhigen Spannung zwischen Sehen und doch nicht Fassen können, zwischen Jetzt und Noch Nicht, zwischen Vergänglichkeit und Ewigkeit. Den Prediger bringt das zu dieser Weisheit: Der Mensch kommt erst dann in seinem Leben wirklich an, wenn er seine Grenzen anerkennt, wenn er seinen Platz akzeptiert – dass er Mensch ist und eben nicht Gott. Wenn er begreift, dass ihm seine Zeit geschenkt ist und er sie selber nicht in seiner Hand hält. Wenn er Anfang und Ende los lässt und sich mit der Mitte begnügt. Dann kann Vertrauen wachsen zu dem, der beides in seiner Hand hält: Zeit und Ewigkeit. Dann kann der Mensch ganz da sein und seine Zeit als Geschenk empfangen.

Jetzt und hier ist unsere Zeit zu leben. Wir dürfen unser Leben gestalten und alles Schöne geniessen. Und in Beidem, im Gestalten und im Genießen, kann auch ein bisschen “Ewigkeit” geschehen. In Beidem können wir Menschen uns mit dem ewigen Gott verbinden: Wenn wir diese Welt mit gestalten, wenn wir verantwortungsvoll mit der Schöpfung umgehen und uns allen Geschöpfen liebevoll zuwenden, haben wir Teil an Gottes Werk und Gottes Liebe. Wir lieben mit Gott mit und Gott liebt durch uns. Und auch wenn wir genießen, verbinden wir uns mit Gott. Indem wir unser Leben mit allen geschenkten Möglichkeiten aus Gottes Hand annehmen – dankbar für die Menschen, die uns durchs Leben begleiten, uns unterstützen, uns lieben, dankbar für die guten Dinge im Leben.

Sogar die Erschütterungen und Krisen können Zeiten sein, in denen etwas von Gottes Ewigkeit bei uns einbricht, auch wenn es sich erst einmal gar nicht so anfühlt. Seit Jesus Christus gestorben und auferstanden ist, wissen wir: Gerade hier ist Gott mit uns. Er leidet mit uns und auch wir leiden mit Gott mit. Da ist eine Hoffnung für jede aussichtslose Situation. Auch diese Hoffnung bedeutet Ewigkeit in unserer Zeit. Nicht als ein billiger Trost, sondern als Kraft für Veränderung.

Die Ewigkeit, die wir suchen – wir finden sie nicht am Anfang oder am Ende aller Dinge. Wir können sie nur mitten im Leben finden, weil der, der Zeit und Ewigkeit in seiner Hand hält, alles in seiner Hand hält, auch uns.

Für die kommenden Wochen auf dem Weg bis hin zum Ewigkeitssonntag wünsche ich Ihnen und Euch Momente voller Schönheit und Gottes reichen Segen,

Ihre und Eure

Susanne Fischer-Kremer

 

Die Seele nährt sich von dem, woran sie sich freut.

(Augustinus)

 

Monatssprüche

Oktober

Herr, all mein Sehnen liegt offen vor dir,

mein Seufzen war dir nicht verborgen.

Psalm 38,10

 

November

Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem,

von Gott aus dem Himmel herabkommen,

bereitet wie eine geschmückte Braut für ihren Mann.

Offenbarung 21,2

 

Willkommen

Sie sind jederzeit herzlich in unserer Kirchengemeinde willkommen. Schön, wenn Sie bei uns etwas Heimat in der Fremde finden!

Wenn Sie Mitglied werden möchten, brauchen Sie das nur zu erklären. Ein Formular und weitere Informationen schicken wir ihnen gern per Post zu, sind aber auch auf unserer homepage zu finden: www.german-church.org/cambridge

Als Mitglied haben Sie Anspruch auf Amtshandlungen sowie aktives und passives Wahlrecht – und sind bereit, die Gemeinde zu unterstützen. Da wir hierzulande keinerlei Kirchensteuermittel erhalten, ist unsere Gemeinde komplett auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen. Wenn z.B. jedes Mitglied monatlich £25 geben würde, wäre unser Jahreshaushalt ausgeglichen. Vielen Dank, wenn Sie uns in diesen herausfordernden Zeiten unterstützen!

immer aktuell

Wenn Sie etwas auf dem Herzen haben und das einmal jemandem erzählen möchten, hören wir Ihnen gerne zu. Dazu kommen wir Sie auch besuchen, wenn Sie das wünschen. Bitte melden Sie sich bei uns.

Für Amtshandlungen (Taufe, Konfirmation, Hochzeit) bitte im Pfarramt melden und einen Termin vereinbaren. Selbstverständlich sind wir auch in Trauerfällen für Sie da.

Sie sind herzlich willkommen, auch selber mitzuarbeiten in der Gemeinde – zum Beispiel beim Kindergottesdienst, beim Küsterdienst, bei der Vorbereitung und Durchführung von Festen. Einfach im Pfarramt anrufen oder mailen.

Vielen Dank!

Ihre

Pfarrerin Susanne Fischer-Kremer und Pfarrer Oliver Fischer        

 

Fahrtkosten werden erstattet

Sie möchten gern an einer Veranstaltung teilnehmen, können aber nicht aus eigenen Mitteln hinkommen und ein Taxi wär einfach zu teuer? Für diesen Fall ist vorgesorgt: es gibt einen Geldfonds, den seinerzeit Kaiser Wilhelm II. gestiftet hatte, zur Förderung der Seelsorge. Nur für diesen Zweck kann das Geld ausgegeben werden, also scheuen Sie sich bitte nicht, dies in Anspruch zu nehmen!

Kinder und Jugend

 

Wir laden in diesem Herbst in Cambridge zu vier besonderen Veranstaltungen für und mit Kindern ein:

Am 30. September laden wir herzlich ein zum diesjährigen Kinderbibeltag von 10.00 (!) Uhr bis 13.30 Uhr. Rund um das Thema „Säen und Ernten“ hören wir Geschichten, machen Spiele und spaßige Aktionen in verschiedenen Altersgruppen für Kinder von 4-11 Jahren. Wir bitten um Anmeldungen bis zum 17. September.

Das Vorbereitungstreffen dazu ist am 21.September um 20 Uhr.

Am Sonntag, den 11.November feiern wir von 15.00 bis 17.00 Uhr wieder das Sankt Martinsfest! Wir laden herzlich ein zu Puppentheater, Andacht und Laternenumzug mit Liedern. Da der Platz im Gemeindehaus begrenzt ist, werden im Vorfeld Tickets verkauft.  Wir suchen noch Mitstreiter bei der Vorbereitung und Durchführung, damit die Feier gelingt – bitte dazu im Pfarramt melden!

Am Sonntag, den 18.November feiern wir um 10.30 Uhr wieder eine Familienkirche.

Außerdem freuen wir uns auf alle Kinder in unseren Kindergottesdiensten, parallel zu jedem Gottesdienst (außer in den Ferien).

Konfirmation am 3. November 2018 in Norwich

Wir freuen uns über eine weitere Konfirmation in diesem Jahr! Im Gottesdienst am 3. November 2018 um 11 Uhr wird Laura Schormann in St.Peter’s Church in Cringleford, Norwich, konfirmiert und gesegnet. Herzliche Einladung an alle, für unsere Konfirmandin zu beten, mit unserer Gemeinde zu feiern und Laura zu gratulieren!

Bewahre uns, Gott, behüte uns, Gott, sei mit uns durch Deinen Segen.

Dein Heiliger Geist, der Leben verheißt, sei mit uns auf unsern Wegen.

Eugen Eckert

Ausblicke

Gemeindeausflug in den Hafen von Tilbury am 8. September

Möchten Sie die Seemannsmission einmal aus der Nähe kennen  lernen? Dann kommen Sie doch mit auf den Gemeindeausflug, der uns in den Hafen nach Tilbury führt. Seefahrerdiakon Mark Möller wird uns dort im Seafarers Centre empfangen und über seine Arbeit berichten. Anschließend gibt es eine Rundfahrt durch den wichtigsten Hafen für London.

Zum Mittagessen setzen wir dann mit der Fähre nach Gravesend über. Dort können wir noch einen der größten Sikh Tempel des Landes besichtigen, namens “Guru Nanak Barbar Gurdwara.” Schließlich werden wir der berühmten „Indianerprinzessin“ Pocahontas einen Besuch abstatten, die 1617 am englischen Hof von King James persönlich empfangen wurde. Ihre Rückreise nach Amerika konnte sie schließlich nur noch beginnen. Noch in England starb sie auf dem Schiff und wurde in Gravesend bestattet.

Kommen Sie mit? Dann bitte im Pfarramt bis Dienstag, 4. September anmelden!

  • Für den Hafenbesuch müssen wir uns mit Namen und einer Foto-ID anmelden. Bitte eine Kopie per Post ans Pfarramt schicken – oder eingescannt als Email an: cambridge@german-church.org
  • Für den Besuch im Sikh Tempel bitte einen Schal oder ein Tuch zur Kopfbedeckung mitbringen.
  • Bitte auch angeben, ob eine Mitfahrgelegenheit gebraucht wird – oder ob noch Plätze im eigenen Auto frei sind.

Treffpunkt: um 11h im London Tilbury Seafarers Centre.

Nach dem Kontrollpunkt an der Hafeneinfahrt bis zum ersten Kreisverkehr fahren, dort links abfahren, in einer langen Linkskurve wieder links abbiegen zum Parkplatz vor dem Seafarers Centre (Postcode RM18 7EH, bringt aber nur grob aufs Hafengelände).

Kostenbeitrag: ca. £8, plus Ausgaben fürs eigene Mittagessen.

MUSIC MIRRORS in Cambridge – am 28.Oktober 2018

In der letzten Ausgabe unseres Gemeindebriefes berichtete Heather Edwards aus Norwich über das Projekt „Music Mirrors“ (auch zu finden unter „www.musicmirrors.co.uk“). Sie selbst hat die Idee dazu entwickelt, die inzwischen u.a. von der europäischen Alzheimer-Forschung aufgenommen wurde. An der Züricher Universität laufen seit einem Jahr Studien zu diesem Projekt und es gibt bereits positive Ergebnisse. Music Mirrors ist interessant für alle, die die sich gern erinnern und sich vorstellen können, eigene Erinnerungen mit Klängen und/ oder mit Musik zu verbinden und so lebendig zu halten.

In einer schönen Andacht mit anschliessender Gesprächsrunde haben wir in Norwich am 30. Juni die Biographie-Arbeit mit Music Mirrors kennen gelernt. Wir freuen uns sehr darüber, dass Heather gern bereit ist, auch uns in Cambridge dieses interessante Projekt vorzustellen.

HERZLICHE EINLADUNG zum Gottesdienst mit Music Mirrors in Cambridge, am Sonntag, den 28.Oktober 2018 um 10.30 Uhr!

Es fließt mir das Herz über vor Dankbarkeit gegen die Musik,

die mich so oft erquickt und aus großen Nöten rettet.

Martin Luther

Erinnern ans Ende des Ersten Weltkriegs vor 100 Jahren – am Remembrance Day, 11. November 2018

2018 jährt sich zum 100. Mal die Unterzeichnung des Waffenstillstands im Wald von Compiègne am Vormittag des 11. November 1918 und damit das Ende des Ersten Weltkriegs. Seine Bilanz: 8,5 Millionen Tote, mehr als 21 Millionen Verwundete, die Verwüstung ganzer Landstriche und mit dem Zusammenbruch der Imperien eine tiefgreifende Umwälzung der politischen Machtstrukturen auf dem europäischen Festland.

So unterschiedlich in den einzelnen Ländern das Gedenken an den großen Krieg, seine Ursachen und Folgen auch aussehen mag – wie wir das hierzulande immer wieder sehr deutlich erleben – kann das gemeinsame Genken und v.a. das Gebet für den Frieden doch verbinden.

Darum wollen wir gemeinsam mit anderen Kirchen in Cambridge der Opfer von Krieg und Gewalt gedenken und um Frieden beten – in einem ökumenischen Abendgottesdienst in unserem Gemeindehaus am 11. November um 18 Uhr.

Kollektenzwecke

In jedem Gottesdienst sammeln wir Kollekten:

  • im September für die Arbeit für Flüchtlinge auf dem Gebiet unserer Gemeinde (den Suffolk Refugee Support in Ipswich, Women’s Refuge in Bedford und den Medaille Trust),
  • im Oktober für die Aufgaben unserer Gemeinde, die für ihre finanzielles Überleben komplett auf Spenden und Mitgliedsbeiträge angewiesen ist,
  • und im November für die Arbeit für Obdachlose und Families in Need (Jimmy’s Nightshelter in Cambridge, St Martin’s Housing Trust in Norwich, Iceni in Ipswich, CHESS in Chelmsford)

Gottesdienste zu Erntedank feiern wir

  • in Flitwick am 27. September,
  • in Essex am 29. September,
  • in Ipswich am 7. Oktober,
  • in  Norwich am 5. Oktober,
  • in Bury St. Edmunds am 7. Oktober,
  • in Cambridge am 14. Oktober, mit anschließender Versteigerung der Erntegaben – bitte auch etwas zum Mittagsbuffet mitbringen, vielen Dank!

Bitte bringen Sie Ihre Gaben reichlich mit. Vielen Dank!

Bibelstunden in Bury St.Edmunds und Ipswich

In Ipswich finden Bibelstunden am Mittwoch, dem 26. September, und am Donnerstag, dem 15. November statt, jeweils um 10.30 Uhr bei Irmhild Jacyna.

Zeit und Ort für eine Bibelstunde in Bury St. Edmunds wird noch bekannt gegeben.

Adventskränze binden

Zur Vorbereitung unseres beliebten Adventsmarktes wollen wir in schöner Tradition aus selbst geschnittenen Tannenzweigen Adventskränze binden: nach dem Gottesdienst am Ewigkeitssonntag, dem 25. November, um 10.30h. Wir freuen uns darauf!

Damit das statt finden kann, brauchen wir Helfende, die am Freitag zuvor, 23. November, vormittags mit nach Thetford Forest fahren und im Wald Zweige schneiden. Bitte im Pfarramt melden! Vielen Dank.

Der Adventsmarkt findet am Ersten Advent, dem 2. Dezember im Gemeindehaus und -garten statt. Um 14 UHR geht’s los. Es gibt selbst geflochtene Adventskränze, Kerzen und Schmuck dazu; ein paar Verkaufsstände – deutsche Bücher, Kaffee und selbst gebackenen Kuchen, draußen Glühwein und Punsch. Ob wir dieses Jahr mangels Helfender auf den Grill verzichten müssen, werden wir im Kirchenvorstand besprechen.

Gegen 16 Uhr Abschluss mit einem deutsch-englischen Carol Singing bei Kerzenschein.

Herzliche Einladung!

Schenk uns Zeit! Schenk uns Zeit,

Zeit aus deiner Ewigkeit!

 

Zeit zum Nehmen, Zeit zum Geben,

Zeit zum Miteinanderleben.

 

Zeit zum Trinken, Zeit zum Essen,

Zeit, um keinen zu vergessen.

 

Zeit zum Beten, Zeit zum Klagen,

Zeit, dir Gott, auch Dank zu sagen.

 

Schenk uns Zeit! Schenk uns Zeit,

Zeit aus deiner Ewigkeit!

 

Rudolf Krenzer

Angedacht

“Vergesst die Gastfreundschaft nicht: denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt.”

(Monatsspruch für Juni 2018, aus dem Brief an die Hebräer 13,2)

Liebe Leserinnen und Leser,

Wer das Leben in der Fremde kennt, kann hoffentlich eine Geschichte von ihr erzählen: der Gastfreundschaft. Die meisten Menschen aus unserer Gemeinde kamen einmal als Neue in diesem Land an. Von welchen Erfahrungen von Gastfreundschaft können wir uns gegenseitig erzählen?

In einer Zeit, in der wir von der “Flüchtlingskrise” sprechen und in der der “Nutzen” von internationalen Gemeinschaften diskutiert wird, ist das nicht nur ein Thema aus dem Privatleben, sondern hat auch gesellschaftliche Relevanz. Für die einen versteht sich Gastfreundschaft wie von selbst, andere tun sich damit schwerer. Wo aber beginnt eigentlich Gastfreundschaft und wem soll sie gelten? Da könnten die Meinungen sehr unterschiedlich sein.

Wer schon das Glück hatte, Gastfreundschaft in einer fremden Gesellschaft zu erleben, der kommt oft tief bewegt von ihrer bestechenden Einfachheit und Herzlichkeit zurück.

Gastfreundschaft ist vielleicht etwas, das man erlernt – wie eine Kunst, die jedem Menschen Entwicklungsmöglichkeiten eröffnet. Man lernt es durch Erfahrung am eigenen Leib. Ich erinnere mich daran, wie meine Freundin während des Studiums oft irgendwelche neuen Leute bei sich zum Essen einlud und bekochte. Ich fragte mich damals, ob das für sie nicht der reinste Stress sei! Aber das war nur mein Gefühl, bei ihr sah ich Eifer und Freude. Ich bewunderte sie dafür.

Mir kommt auch ein Wanderurlaub in den Sinn – mit Rucksack und Zelt auf einer beliebten spanischen Insel. Wie wir da verschwitzt und nach einem anstrengenden und heißen Tag plötzlich herein gebeten und bewirtet wurden. Sehr einfach. Aber köstlich. Köstlich auch, weil das ein so unverhofftes Geschenk war. Und was daraus für ein schöner Abend mit unseren Gastgebern wurde! Unvergesslich.

Gastfreundschaft kann man lernen. Sie versteht sich nicht von selbst. Offenbar auch in alten Zeiten nicht.

Schon im Alten Testament wird zur Gastfreundschaft gegenüber Fremden aufgefordert mit dem Hinweis auf die eigene Geschichte (“Gott… hat die Fremdlinge lieb… Darum sollt auch ihr die Fremdlinge lieben; denn ihr seid auch Fremdlinge gewesen in Ägyptenland”, 5.Mose 10,18f).

Auch im Neuen Testament wird uns die Gastfreundschaft ans Herz gelegt (z.B. Matthäus 25,35; Römer 12,13; 1.Petrus 4,9). Gastfreundschaft (philoxenía) meint dabei nicht so sehr das Bewirten der eigenen Freunde, sondern tatsächlich die Aufnahme von Fremden, die bedürftig sind. Sie wird unterschieden von der Bruder- oder Nächstenliebe (philadelphía). Beide zusammen gehören zur Grundlage der jüdisch-christlichen Tradition. Die eine wirkt nach innen und hält die alltägliche Gemeinschaft zusammen, die andere öffnet diese nach außen und nimmt auch andere, fremde wahr – und erweitert so den Horizont.

Immer wieder aber scheint die Tugend der Gastfreundschaft vernachlässigt worden zu sein. Darum wird sie beworben und zwar in sehr kluger Weise. Denn die Aufforderung kommt nicht ohne den deutlichen Hinweis auf den Gewinn, der sich daraus möglicherweise ergibt. Denn: Alle Liebe findet ihren Lohn! Welche Ehre für das Haus und welch ein unschätzbarer Segen für seine Bewohner die Besucher mit sich bringen, stellt sich ja manchmal erst im Nachhinein heraus. Auch dazu gäbe es einige Geschichten zu erzählen. Vielleicht will eines ganz normalen Tages sogar Gott selbst durch seine Boten bei uns einkehren… Wer könnte dieses bestechende Argument ausschlagen?

Was aber lässt Menschen gastfreundlich sein?

Einen Schlüssel dazu finde ich in Martin Luthers Übersetzung dieser Stelle. Er übersetzt: “Gastfrei zu sein, vergesst nicht”. Es ist eine Frage der eigenen Freiheit.

Wer unfrei ist, innerlich oder äusserlich, wird andere nicht leicht bei sich einlassen können. Wer selbst zu matt und kaputt ist, dem fällt es schwer, noch für andere Raum zu finden. Wer eine eigene Notlage bewältigen muss und in Angst lebt, wird die Grenzen um sich herum enger ziehen.

Gastfreundschaft ist eine Art von Freiheit. Und wie eine Kunst, die man immer besser erlernen kann. Wenn ich noch freier werde von meinen manchmal zu hohen Ansprüchen mir selbst gegenüber, dann werde ich auch freier darin, meine Tür auf zu machen und zu sagen: “Tritt ein, bring Glück herein”!

Einen gesegneten Sommer mit reichlich Wärme, die Türen und Herzen öffnet, wünscht Ihre und Eure

Pfarrerin Susanne Fischer-Kremer

Rückblicke: Mother Julian of Norwich – Gemeindenachmittag in Norwich am 22. April 2018

Outing to the Julian Church in Norwich

Some of you will remember the late Ursula Spliethof who was a loyal member of the Norwich congregation for many years.  She told me of her visits to the Julian Church but I myself had never been there.

That is until this year when on Sunday April 22nd I made my way to Norwich to join in the German Lutheran service. Others had come from Cambridge and Bury St. Edmunds and of course from Norwich itself.

Father Christopher welcomed us all warmly and we had the opportunity to see the tiny cell where mother Julian lived in seclusion from the outside world.

Heidi Gure-Klinke conducted our worship in which she quoted the well-known saying of mother Julian that “All shall be well.” She linked this to the themes in Paul Gerhardt’s hymns and the writing of Martin Luther himself. They were not expressing blind optimism but rather a deep trust in God. The organist was joined by Beate Becker on clarinet for a delightful duet at the close of the service (Andante, 3rd movement, from Sonate in E Moll BWV 1034 von Johann Sebastian Bach).

The staff at the nearby Julian Centre had very kindly opened up especially for our group to enjoy coffee and cakes.

Heather Pfeiffer then took us on a Sunday tour of the vicinity and shared her extensive knowledge of the many fine old buildings. George Pfeiffer was on hand with his camera to film the events of this inspiring and informative afternoon and thanks are due to all who made it possible.

Margaret Longstaff, Ipswich

Wer war Mother Julian?

Ihre uns überlieferte berühmteste Kostbarkeit ist wohl, dass wir nicht alles wissen können und wir manchmal leiden müssen, aber “all shall be well, and all shall be well, and all manner of things shall be well.”

Mother Julian lebte etwa von 1342 bis 1416, genaue Daten sind nicht bekannt. Während einer schweren Krankheit im Mai 1373 wurden ihr innerhalb von zwei Tagen beim Anblick eines Kruzifixes eine Reihe von 16 Visionen zuteil. In diesen war es ihr gegeben, direkt mit Jesus Christus zu kommunizieren und ihn auf seinem schweren Leidensweg zu begleiten. Durch ihr eigenes Leiden und den Anblick des Kruzifixes gelang sie in tiefer Meditation mit Gottes Hilfe zu einer engen Affinität mit Jesu Leidensweg.  Das Mittelalter hatte nicht die heutige Vielzahl der verschieden Medien und Dokumentationsfilme und  so war damals die Meditation ein Weg, bildliche Darstellungen und Einblicke zu erlangen.

Julian erkennt, dass diese Visionen ihr nicht nur zum persönlichen Vorteil erschienen waren, sondern dass sie für die ganze Christenheit von Bedeutung sind. Es wird vermutet, dass sie deshalb nach ihrer Genesung den Entschluss fasste, sich als ‘Anchoress’, Einsiedlerin, zurückzuziehen, um ihre Visionen zu  überarbeiten und zu entschlüsseln. Diese riesige Entscheidung bedeutete, von nun an hinter verschlossenem Riegel zu leben, in einer an eine Kirche angebauten Zelle. Für die Verschlossene wurde dann eine Totenmesse gefeiert, sie galt also von nun an für ihre Außenwelt metaphorisch als Verstorbene. Praktisch gesehen jedoch stand ihr zur täglichen Verpflegung und Versorgung eine Magd zur Verfügung, und eine Katze zum Mäusefangen durfte ihre Zelle teilen. Auch war es ihr erlaubt, durch ein vergittertes Fenster ihrer Zelle Kontakt mit der Bevölkerung zu haben – zu zu hören und Rat zu geben. Dieser Verbindung zur Außenwelt verdanken wir, dass Julians Aufzeichnungen durch eine andere Visionärin der Zeit, Margery Kempe, die Julian in 1413 um Rat bat, heute übermittelt sind.

Nach Julians eigenen Angaben war sie ‘unlettered’, Analphabetin, aber es wird vermutet, dass sie als Kind einige Grundregeln des Schreibens in dem nahe gelegenen Kloster Carrow lernte und später sich selbst fortbilden konnte. Die Auslegungen ihrer Visionen zeigen ihre Bibelkenntnis, die wohl auch durch die täglichen Messen und Gottesdienste gefestigt wurde, denen sie durch eine kleine Öffnung ihrer Zelle zum Kirchenraum Zeuge sein durfte.

In den Jahren als Anchoress entwickelte Julian die Auslegungen ihrer Visionen, die uns heute in zwei Schriften überliefert sind, einem kurzen und einem später aufgesetzten längeren Text. Einige Passagen daraus (Nach dem Buch ‘Julian of Norwich’ Revelations of Divine Love, a new translation by Barry Windeatt, Oxford World Classics 2015. Oxford University Press):

  • Auf ihrem Krankenlager liegend sieht Julian beim Anblick des Kruzifixes Blut aus der Dornenkrone Christi hervorquellen. Sie sieht das Blut durch Hölle, Erde und Himmelszelt fließen und erkennt, dass so wie das Wasser unsere Körper reinigt, dieses Blut Christi alle Sünden auf Erden reinigt und den Teufel besiegt.
  • Christus bezeugt Julian die Bereitschaft seiner Leiden, und wenn größeres Leiden möglich gewesen wäre, er es gerne hätte geschehen lassen. Er führt ihre Erkenntnis durch seine Wunde zu seinem zerissenen Herzen.
  • Auch zeigt Jesu ihr auf ihre Bitte hin seine Mutter Maria, die jetzt erhöht ist. Der erhöhte Jesus selbst spricht Worte, die sich ihrem Verständnis entziehen.
  • Gott dankt Julian für den Dienst, den sie ihm durch ihr eigenes Leiden erweist, und dass er ihr somit seine Offenbarung zuteil werden lassen kann. Sie sieht, wie Gott im Himmelreich herrscht.
  • Jesus gibt Julian zu verstehen, dass Sünde unumgänglich ist und sogar ein Gebot erfüllt. Aber alles wird gut, und Gott sieht unsere Sühne und Buße mit viel größerer Freude und Zufriedenheit an, als dass der Sündenfall je nachteilig oder verderblich war. In einer Zeit, als Beschuldigung der Ketzerei lebensgefährlich sein kann, ist diese Erklärung Julians in Bezug auf Sünde ausgesprochen kühn und mutig.
  • Gott zeigt Julian, dass er selbst die Grundlage und Inspiration des Gebetes ist für das, was er selbst uns gönnt.
  • Gott verspricht Julian, dass ihr Leiden ihr genommen wird und sie ihren rechten Platz neben ihm im Himmel haben wird.
  • Gott zeigt Julian Jesus in ihrer Seele sitzend und versichert ihr die Wahrheit seiner Offenbarung.
  • Sie sieht eine kleine Haselnuss, die ihr zum Gleichnis wird, wie alles, was ist, durch Gottes Liebe geschaffen und vor dem Verfall ins Nichts bewahrt wird.
  • Sie sieht Jesus in seiner Majestät in der menschlichen Seele sitzen. Dies ist eine Widerspiegelung ihrer ersten Vision, in der wir wiederum eingebettet sind in Jesus. Die Substanz unserer Seele ist in Gott, ohne dass sie identisch mit ihm ist.
  • Der Anfang aller Schöpfung ist Gottes Liebe. Julian sieht Gott als Vater, Mutter, Partner, Bruder, Schwester und Retter – und sie sieht auch Jesus als unsere „Mutter“ (nach Matthäus 23, 37 – Henne und Küken).

Ich hoffe, dass diese kurze Zusammenfassung etwas inspiriert und zu weiterem Lesen anregt.

Gaby Corfe, Bury St. Edmunds

Gemeindewochenende in Hothorpe Hall

Dieses Jahr war das Thema der Gemeindefreizeit zu Hothorpe Hall das lebendige Wasser. Im Laufe des Wochenendes entfaltete sich eine Wüstenblume, die am Freitag Abend mit Wasser begossen wurde, aus einer trockenen hellbraunen Kugel zu einer grünen Pflanze mit mehreren entfalteten Wedeln. Während aller gemeinsamen Tätigkeiten, ob im Gemeinderaum oder in der Kapelle, war diese Pflanze mitten im Saal als ein sichtbares Sinnbild für die Macht des lebendigen Wassers. Wasser, das Durst befriedigt, Wasser, das zum Wachstum führt, und Wasser, das als stürmische See gefährlich ist oder sogar zerstören kann, wie bei der Sintflut: durch Bibliolog, Andachten und Meinungsaustausch vertieften wir uns in verschiedene Aspekte des Wassers in der Bibel. Mir blieben zwei Gedankenanstöße wichtig. Der erste war die Frage: „Wonach dürstest Du?“ Der zweite war das Wasser als Metapher für Gott – als wir Adjektive sammelten, die Wasser beschreiben, und dabei merkten, daß die Adjektive alle auch auf Gott zutreffen.

Die Naturwissenschaft kam auch zur Geltung. Ein See friert nie ganz zu, denn Wasser ist am schwersten bei einer Temperatur von 4 Grad. Dadurch wird auch im kältesten Winter das Pflanzen- und Tierleben am Grund eines Sees bewahrt. Toll, oder?

Ich persönlich finde es nicht leicht, ein ganzes Wochenende zu opfern, zumal ich beruflich täglich zwischen Cambridge und London pendele und deshalb relativ selten zu Hause bin. Aber für die Gemeindefreizeit ist die Zeit kein Opfer, denn die Freizeit lohnt sich echt.

Karen Attar, Cambridge

Schön war es wieder ein Wochenende in Holthorpe Hall zu verbringen, mit alten und neuen Freunden, älteren und ganz jungen Mitgliedern der Gemeinde. Wasser war dieses Jahr unser Thema bzw. die Jahreslosung („Ich will dem Durstigen geben von der Quelle lebendigen Wassers umsonst“). So war auch einer der Höhepunkte das „Wasser Tasting“ zur Einstimmung. Sechs verschiedene Wasser-Sorten standen zur Auswahl und jeder sollte dann sagen, welches ihm/ihr am besten schmeckte. Dann erfuhren wir, aus welchen Gemeindeorten die Wasser stammten. Der Mehrheit schmeckte das Wasser aus Cambridge am besten! Geschmeckt hat natürlich auch wieder das leckere Essen und trotz kühlerem Wetter fanden viele Gespräche und Aktivitäten auch wieder draußen statt. Die Kinder hatten ein tolles Programm und die Erwachsenen kamen zu Emmaus-Weg, Bibliolog, Gottesdienstvorbereitung und Andachten zusammen. Den Abschluss bildete wieder ein bunter Gottesdienst, mit vielen Beiträgen und schöner Musik. Wir freuen uns schon auf das nächste Jahr!

Anne Schütz, Bedford

Diesmal wurde es uns (Gerda Mamott, Karen Attar und mir) wirklich schwer gemacht, nach Hothorpe Hall zu kommen. Die „Geister der A14“ waren irgendwie gegen uns (und einige andere hatten auch Probleme), produzierten einen ellenlangen Stau, und wir benötigten mehr als 3.5 Stunden, um endlich ans Ziel zu kommen. Da kamen wir gerade noch recht zum Abendessen, was von gewohnt guter Qualität war. Aber dann konnte es losgehen.

Der “Emmaus Weg“ am Samstagvormittag, auf den ich mich jedes Jahr freue, gehört genauso zu unserem Wochenende wie die Vorbereitung des Abschlussgottesdienstes. Das Wetter spielte an diesem Wochenende hervorragend mit – also keine Regenschirme oder nassen Füße beim Emmaus Weg.

Der Bibliolog fuehrte zu einer angeregt und bisweilen intensiven Diskussion über Johannes 4 (Jesus trifft eine Samariterin an einem Brunnen), was ich persönlich sehr genossen habe.

Beim “bunten Abend” am Samstag waren wir eine kleine aber feine Gruppe von Teilnehmern (ist ja alles freiwillig). Die da waren, waren allerdings hervorragend gelaunt und hoch motiviert. Unter anderem präsentierten Gerda und Karen eine unterhaltsame Zwiesprache zwischen einem „Sünder“ und Gott, und Oliver erzählte eine Geschichte der etwas anderen Art von Jona, der in Ninive Barmherzigkeit lernte. Der „Hit“ des Abends war aber ein von den Anwesenden aufgeführtes Dramolett: Prinzessin soll verheiratet werden, liebt aber einen anderen, wird vom Fiesling entführt und vom Helden gerettet. Unvergessen wird dabei nicht nur Oliver als Wildschwein bleiben, der sich an Daphne Rose – pardon, einem Baum -schubberte. Ich war der Gong und der Vorhang, und ich glaube, ich habe meine Rollen glaubhaft darstellen können. Der „Vorhang“ war besonders anspruchsvoll.

Der Gottesdienst am Sonntag, an dessen Gestaltung wir am Samstagnachmittag in Kleingruppen gearbeitet hatten, war besonders bewegend. Mit einer Symbolhandlung mit Wasser wurden wir an unsere Taufe erinnert, durch die wir alle zur christlichen Gemeinschaft gehören. Ich empfand die Handlung und den gegebenen Segen sehr intensiv und werde noch lange daran denken.

Es waren erfreulich viele Kinder mit dabei, die viel Spass bei ihren prima organisierten Freizeitaktivitäten zu haben schienen. Da das Wetter so mitspielte war draußen im Garten ständig was los, und für ein Paar von den Großen war sogar Zeit für ein Tennismatch.

Voll mit neuen Erkenntnissen und Erlebnissen schafften wir es in Rekordzeit zurück nach Cambridge, und die Fußballfans kamen rechtzeitig, um Deutschland bei der Weltmeisterschaft verlieren zu sehen (ja, ich bin kein Fußballfan).

Kerstin Wolf, Cambridge

 

AGM/Gemeindeversammlung am 24. Juni 2018

Die diesjährige Gemeindeversammlung fand am 24. Juni statt. Nach der Fertigstellung des Umbaus des Gemeindehauses legte das „Haus-Komitee“ seinen Bericht vor. Vor kurzem fand das Abschlussgespräch mit der Architektin und dem Baumeister statt. Weiterhin gibt es Probleme mit Wasser im Keller, die im Laufe des Jahres zu beheben sind. Ebenso ist es wichtig, eine Person zu finden, die die Gemeinde bei der Vermietung und Unterhaltung der Räume unterstützen wird. Auch die Haustrustees legten einen kurzen Bericht vor.

Die Schatzmeisterin Barbara Botradi legte den Haushaltsabschluss 2017 vor und nahm Fragen entgegen. Sie hob besonders hervor, dass in den letzten drei Jahren fast £24.000 von Gemeindemitgliedern für den Gemeindehausumbau gespendet wurden. Im Namen der Gemeinde bedankte sie sich für die großzügigen Spenden. Die Schatzmeisterin wurde entlastet.

Wie jedes Jahr legten Pfarrerin Fischer-Kremer und Pfarrer Fischer einen Jahresbericht vor und dankten allen, die sich in unserer Gemeinde engagieren. Der Bericht kann gern in elektronischer Form vom Pfarramt angefordert werden. Ebenso berichtete Hildegard O’Kane von der Synodalversammlung im April.

Die Versammlung schloss mit Vereinbarungen zum Sommerfest.

Hildegard O‘Kane, Cambridge

Erfahrungsbericht aus der Deutschen Seemannsmission

Liebe Mitglieder und Freunde der evangelisch lutherischen Kirche deutscher Sprache in Ostengland,

den Sommer über bin ich nun wieder an der Küste von Nordost-England und arbeite als Missionarin bei der Deutschen Seemanns-Mission in Middlesbrough.

Vor genau einem Jahr hatte ich mich ins kalte Wasser werfen lassen und war einem Ruf gefolgt, der meine Augen für die wichtige Arbeit der Seemannsmissionen öffnete.

Ich, eine junge Frau aus Sachsen, die noch nie etwas mit Schiffen zu tun hatte, geschweige denn mit Seemännern, sollte vor einem Jahr alleine Schiffe besuchen und den darauf arbeitenden Seemännern ein Gefühl von Wertschätzung geben, sie herzlich im fremden Hafen empfangen und ihnen helfen, wo sie Hilfe brauchten.

Zu Beginn meiner Arbeit – in den 1,5 Wochen, in denen ich von meinen Mentoren eingearbeitet wurde, bevor diese in den Urlaub fuhren – war ich mir bei jedem Schiffsbesuch sehr unsicher; vor allem, als ic dann auf mich allein gestellt war…

Doch nachdem ich mich eingearbeitet hatte und das Leben der Seefahrer bzw. Seefahrerinnen besser kennenlernte, verliebte ich mich in diese Arbeit. Ich lernte sehr viel über Schiffe und die Seefahrt und erfuhr, wie hart es ist, ein Seefahrer bzw. eine Seefahrerin zu sein.  In der Nordsee sind die Seeleute meist “nur” 28h-36h auf dem Meer unterwegs. Dann sind sie wieder in einem Hafen, um ihre Fracht zu löschen und neue Fracht zu laden. Sie sind ständig auf dem Schiff, auch wenn sie im Hafen sind. Dann haben sie zu tun, bis sie wieder in See stechen. Die meisten der Seeleute kommen von den Philippinen. Für die Reedereien sind sie billige Arbeitskräfte, verdienen aber immer noch mehr, als sie in ihrem Land verdienen würden. Oft schließen sie Verträge bis zu 12 Monaten ab. Stellen Sie sich vor, Sie wären 10 Monate lang auf ein- und denselben Schiff, OHNE einen freien Tag und ohne große Pause zwischendurch… Stellen Sie sich nun vor, Sie sind in einem fremden Land, haben keinen funktionierenden Handy Vertrag und können nicht vom Schiff herunter, um sich eine SIM-Karte und Guthaben zu kaufen.  Sie sind komplett von der Welt und der eigenen Familie abgeschnitten…  Und dann kommen freundliche Menschen an Bord, die ein offenes Ohr und Verständnis für jedes Problem haben, die sich um einen kümmern und Wünsche erfüllen, wie z.B. spezielle Einkäufe, die aber auch SIM-Karten mitbringen und Guthaben an Bord verkaufen, sodass die Seeleute wieder Ihre Familien kontaktieren und das Internet nutzen können.

Die Seeleute können bzw. dürfen nur in seltenen Fällen vom Schiff herunter und den Hafen verlassen, und wenn das der Fall ist, dann biete ich Ihnen Fahrdienste an und kümmere mich auch darum, dass sie wieder rechtzeitig zum Schiff zurückkommen.

Kein Tag ist gleich bei der Seemannsmission. Es gibt immer wieder neue Situationen, neue Erlebnisse, neue Herausforderungen. Das macht die Arbeit auch abenteuerlich! Es ist eine sehr wichtige Arbeit, die mir sehr zu Herzen geht. Ich liebe es Menschen zu helfen, und wenn es „nur“ ein Einkauf von Schokolade ist. Sie glauben gar nicht, wie sehr sich Seeleute über solche Kleinigkeiten freuen. Denn auf einem Schiff sind sie von der „normalen“ Welt abgeschnitten und als Seefahrer-Diakonin ist es mir sehr wichtig, den Seeleuten das Leben so lebenswürdig wie nur möglich zu machen.

Marie-Kristin Liebold

Rückblicke aus Kirchenvorstand und Synode

Der Kirchenvorstand traf sich Ende Februar wieder im Bishop Woodford House zu seiner jährlichen Klausurtagung. Neben den üblichen Aufgaben wie den Haushalt 2017 und das Budget für 2018 zu beschließen, beschäftigten sich die Kirchenvorstände damit, wie eine mögliche Stellenausschreibung aussehen könnte. Dies ist im Moment nicht aktuell, aber es war gut, sich einmal ohne Zeitdruck darüber auszutauschen. Ein wichtiges Thema bleibt unser Gemeindehaus und die Frage, wie wir nun, nach dem erfolgreichen Anbauprojekt, die Ideen für seine vermehrte Nutzung umsetzen können.

Vom 20.-22. April fand die diesjährige Synode in London statt. Während des traditionellen Empfangs in der deutschen Botschaft wurden Synodale und Gäste von der Kuratorin der Ausstellung Finchleystraße begrüßt. Diese Ausstellung zeigt Werke deutsch-jüdischer Künstler, die vor den Nationalsozialisten nach Großbritannien flüchteten.

Nach einem Vortrag von Olaf Burghard über das diesjährige Synodenthema, Priestertum aller Gläubigen, beschäftigten sich die Synodalen in Gruppen mit diesem Thema, u.a. mit einer Bibelarbeit über 1. Petr. 2,1-10. Ebenso wurde über den Prädikantendienst gesprochen, der in vielen synodalen Gemeinden die Arbeit der hauptamtlichen Pfarrer unterstützt.

Neben den üblichen Berichten aus den Ausschüssen, dem Bericht des Seniors und des Synodalrates sowie des Schatzmeisters standen Wahlen zum Präsidium der Synode und zum Synodalrat auf der Tagesordnung. Nach dem Rücktritt der langjährigen Präses Annette Deprés und ihrer Stellvertreterin Anna Bülow wurden Hildegard O’Kane (Ostengland) und Helga Janzen (Aberdeen/Edinburgh) in diese Ämter gewählt. Anke Tabrah (Bournemouth) ist weiterhin Schriftführerin. Auch im Synodalrat gab es einige Veränderungen: Senior ist nun Pfarrerin Diemut Cramer (Manchester) und Sekretär Pfarrer Bernd Rapp (London-Ost). Die weiteren Mitglieder sind Pfarrer Georg Amann (London-West), Michaela Scheuermann-Freestone (Oxford) und Frauke Constable (St. Alban’s). Und schließlich wurde Klaus Becher (Christuskirche) im Amt des Schatzmeisters bestätigt.

Bei der Vorstellung des Synodalkonzeptes 2025 wurde deutlich, dass sowohl die einzelnen Gemeinden als auch die Pfarramtsbereiche immer wieder deutlich machen müssen, warum es wichtig ist, dass es deutschsprachige Gemeinden in Großbritannien gibt. Nur so werden die EKD und die Landeskirchen weiterhin bereit sein, Pfarrer zu entsenden.

Den Abschluss bildete der Gottesdienst in der Christuskirche mit der Einführung aller neuen Amtsträger. Die Predigt hielt OKR Christoph Ernst.

Hildegard O’Kane

deutscher Sprache in Ostengland